Bremerhaven. Hinter dem Startschuss für den Jade-Weser-Port im August steht ein großes Fragezeichen. Nach den katastrophalen Baupannen an der Kaje hat Eurogate einen Fragenkatalog an die Realisierungsgesellschaft in Wilhelmshaven geschickt. „Ich will erst die technischen Konzepte anschauen, und dann kann man sagen, ob der Termin noch zu halten ist“, sagt Eurogate-Chef Emanuel Schiffer. Von Klaus Mündelein
Der Bau des Jade-Weser-Ports droht zum Desaster zu werden : Etliche Risse in der Spundwand könnten dafür sorgen, dass der Hafen nicht rechtzeitig fertig wird. Hafenbetreiber Eurogate hat einen Fragenkatalog an die Realisierungsgesellschaft geschickt, die Antworten stehen noch aus. Foto eer
Am 5. August soll der Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven in Betrieb gehen. Ein Ereignis, das nicht überall Freude auslöst. Besonders in Bremerhaven gibt es die Sorge, dass der Konkurrent Container und Offshore-Fracht vor der Nase wegschnappen wird. Womöglich wird sich der Kampf um Container verzögern. Denn die Kaje des Tiefwasserhafens ist löchrig wie ein Schweizer Käse.
Hinter den Kulissen wird von einem vollkommen maroden Bauwerk gesprochen. Vor einer Wochen zählte man noch 38 Risse in der Spundwand, inzwischen sind es 47. Zum Vergleich: Beim Bau des Bremerhavener Terminals CT 4 gab es keinen Riss. Es gibt Spekulationen, die von 100 Löchern in der Wilhelmshavener Wand ausgehen. Die Risse seien ärgerlich, aber in der Anzahl nicht ungewöhnlich hoch, hieß es hingegen in Wilhelmshaven.
Schiffer will sich an den Spekulationen darüber, wie viele Risse es am Ende sein werden, nicht beteiligen. Er räumt aber ein, dass noch weitere entdeckt werden könnten. Denn die Liegewanne ist noch nicht durchgehend auf 20 Meter Tiefe ausgebaggert worden. Laut Realisierungsgesellschaft werden die Arbeiten erst Ende Februar abgeschlossen sein.
Bei den Baggerarbeiten offenbaren sich aber die Risse, die auch „Schlosssprengungen“ genannt werden. Wenn die Spundwände nicht gerade ins Erdreich gerammt werden, bricht die Verzahnung über Nut und Feder auf. Wie ein Reissverschluss öffnet sich die Spundwand. Die Folge: Der Sand hinter der Wand wird herausgespült.
Bislang hat die Realisierungsgesellschaft, an der das Land Bremen beteiligt ist, offenbar zugeschaut, wie die Baufirmen die marode Wand in den Sand setzen. Geschäftsführer Axel Kluth, mit 350 000 Euro Jahresgehalt ein Top-Verdiener, war am Mittwoch nicht erreichbar. Das Hafenressort in Bremen vertraut indes seinen Beteuerungen, dass der Eröffnungstermin erreicht wird.
Die wiederholte am Mittwoch Susanne Thomas, Sprecherin der Realisierungsgesellschaft. „Der Termin 5. August ist haltbar“, teilte sie mit. Die Sanierungskosten beziffert sie mit zehn Millionen Euro, die die Baufirmen zu tragen hätten. Die Ursache sei unklar, hieß es in Wilhelmshaven. Beim Bau des CT 4 wurde die Spundwand mit Hilfe von Hubinseln gerammt. Das gab sicheren Halt für eine gerade Führung des Stahls. In Wilhelmshaven verzichtete man darauf und rammte schwimmend. Schiffer glaubt aber nicht, dass das der einzige Grund für die Risse war. „Es kann auch am Baugrund liegen“, sagt er.
Traumjob gefunden
Vom perfekten Job träumen viele Menschen. Jasmin Reincke (22) hat ihn gefunden. „Hier habe ich frische Seeluft, riesige Frachter zum Greifen nah, schicke Autos und Verantwortung“, sagt die junge Frau. Sie arbeitet seit kurzem als Fahrerin für die BLG Logistics Group im Bremerhavener Autoumschlag.
Es ist 14.15 Uhr – Beginn der Spätschicht an der Kaje im Überseehafen. Jasmin Reincke sitzt mit fünf Kollegen im Zubringer-Wagen und sieht sich den Einsatzplan an. Der Autofrachter „Elektra“ ist angekommen. An Bord: mehrere tausend BMW Z5 aus den USA, die alle auf einen anderen Autofrachter mit Kurs Richtung England umgeladen werden sollen. „Dann wollen wir mal“, sagt Fahrer Yasko Haskovic, legt den Gang ein und gibt Gas. Kurz darauf rattert der Minibus über die steile Rampe durch das große geöffnete RoRo-Luk in den riesigen Bauch des Frachters. Über weitere Rampen geht es in die Höhe. Das Ziel: Deck 10.
Jasmin Reincke freut sich darauf, den ersten Wagen anzulassen und ihren Arbeitstag zu beginnen. „Ich mag große Autos. Da hat man wenigstens den Überblick und kann weit gucken“, lacht sie. Privat sieht das anders aus. Jasmin Reincke fährt einen Seat Ibiza. In Sonnengelb – das ist ihre Lieblingsfarbe.
Zwölf Decks hat der Frachter insgesamt. Rund 6500 Wagen passen auf das Schiff. Auf Deck 10 ist im hellen Neonlicht kein gelbes Auto in Sicht. Schwarz, silber, weiß – ein BMW nach dem anderen steht dort in Reihe geparkt. Die Befestigungslaschen zwischen Fahrzeugen und Deck sind schon entfernt. Jasmin Reincke setzt sich ins Fahrzeug, startet den Motor und schraubt sich mit dem fabrikneuen Wagen Deck für Deck nach unten Richtung RoRo- Luke. „Da muss man schon aufpassen, dass man nicht zu schnell fährt und der Wagen an den Schrägen irgendwo aufsetzt. Schritttempo ist das höchste der Gefühle – ich will ja keinen Unfall bauen“, sagt sie. Seit dem 15. Januar ist Jasmin Reincke bei der BLG fest beschäftigt. Bisher hat sie weder einen Kratzer noch eine Beule in einen Wagen gefahren. Und immerhin bewegt sie pro Schicht rund 40 Fahrzeuge auf dem Auto-Terminal.
LEIDENSCHAFT: AUTOS
Warum die gelernte Friseurin ausgerechnet Autos im Hafen auf Schiffe fährt, kann sie nicht genau sagen. Vor der Festanstellung hat sie auf Abruf bereits nebenbei im Autoumschlag für den Gesamthafen-Betriebsverein gearbeitet. „Ich mag Autos einfach. Das ist meine Leidenschaft“, sagt sie und schlägt das Lenkrad für die nächste Kurve auf dem Metall-Rampenkurs durch das Schiffsinnere ein. Könnte vielleicht daran liegen, dass ihr Vater Kfz-Mechaniker ist und als Supervisor bei der BLG das Autoverladegeschäft koordiniert.
Als der BMW über die RoRo-Rampe ins Tageslicht fährt, wartet am Ende der Rampe schon ein Kollege mit einem Handscanner. Jasmin Reincke stoppt, lässt das elektrische Fenster herunterfahren und hält einen weißen DIN-A4-Zettel mit Strichcode hin.
„Hier werden die Autodaten erfasst, damit wir wissen, welche Wagen schon umgeladen sind“, sagt sie. Und weiter geht’s mit etwas mehr Gas über den Terminal zum Autofrachter „Fedora“. Wieder ein Kontrolleur an der Rampe, wieder der weiße Zettel, wieder ein bestätigendes Piepen, rein geht’s ins Schiff und rauf auf Deck 10. „Das ist jetzt aber Zufall“, lacht Jasmin Reincke. „Die Wagen werden nicht immer auf das gleiche Deck gestellt, wie im Vorgängerschiff.“ Spricht’s, parkt den Wagen ein und wartet mit ihren Kollegen auf den nächsten Shuttle-Bus, der sie von der „Fedora“ zurück auf die „Elektra“ zum nächsten BMW bringt. Um 22.30 Uhr ist Feierabend. Dann fährt Jasmin Reincke nach Haus. Aber nicht etwa mit dem Auto. Sie fährt die Strecke mit dem Fahrrad.
Dennis Ohm ist Gabelstaplerfahrer und arbeitet im Hafen. Sein Lohn liegt bei neun Euro die Stunde. Eine vierköpfige Familie kommt damit nicht über die Runden, und deshalb hat der 30jährige Arbeiter einen Zweitjob annehmen müssen. Nach der Schicht im Hafen fährt er noch Zeitungen aus. Der Hafenarbeiter aus Bremerhaven ist kein Einzelfall. Immer mehr Menschen in Deutschland teilen sein Schicksal. Ein buten un binnen-Team hat Dennis Ohm und seine Familie begleitet, um zu erfahren, wie er das schafft und welche Folgen das für ihn und seine Familie hat
Auf den Gesamthafenbetriebsverein in Bremen (GHB) kommen voraussichtlich Lohnnachzahlungen in Millionenhöhe zu. Das ist das Ergebnis von Gerichtsverhandlungen vor dem Landesarbeitsgericht. Es ging dabei um den Streit zwischen dem GHB und gekündigten Hafenarbeiternn. Diese hatten gegen ihre Kündigung während der Wirtschaftskrise geklagt.
Der GHB ist zu hohen Gehaltsnachzahlungen verurteilt worden.
Der GHB muss voraussichtlich den Großteil der Hafenarbeiter wieder einstellen, die im Zuge der Krise entlassen wurden. Die Kündigungen seien zum überwiegenden Teil unrechtmäßig, sagte eine Sprecherin des Landesarbeitsgerichts. Damit hätten die ehemaligen Mitarbeiter auch Anrecht auf den Lohn, der ihnen seit der ungerechtfertigten Kündigung entgangen sei. Einem Sprecher der Arbeiter zufolge wären das pro Mitarbeiter mehrere zehntausend Euro.
Während der Wirtschaftskrise hatte der GHB rund 1.000 Mitarbeitern gekündigt. Etwa 100 von ihnen hatten dagegen geklagt und in der ersten Instanz Recht bekommen. Die meisten dieser Urteile wurden nun in der zweiten Instanz bestätigt. Rund 20 Fälle müssen in den kommenden Wochen noch entschieden werden. Der GHB war für eine Stellungnahme bisher nicht zu erreichen.
verkehrsRundschau
23.05.2011
Aktuelle Nachrichten
Im März wurden in den Bremischen Häfen gut 501.000 TEU umgeschlagen
Bremische Häfen: Beim Containerumschlag die Mitbewerber überflügelt
Bremen. Die Bremischen Häfen verspüren beim Güterumschlag einen kräftigen, belebenden Rückenwind. Rund 18,9 Millionen Tonnen und damit gut 16,7 Prozent mehr Güter gingen zwischen Januar und März über die Kaikanten des Zwei-Häfen-Bundeslandes, teilte die Hafengesellschaft Bremenports jetzt mit. Die Masse des Umschlaggeschäftes entfällt dabei auf Bremerhaven: 15,7 Millionen Tonnen (plus 19,9 Prozent). Auf die zentrumsnahen Hafenteile entfielen gut 3,2 Millionen Tonnen (plus 3,2 Prozent). Hinsichtlich der Verteilung der Ladungsströme gibt es ein fast ausgeglichenes Verhältnis bei Im- und Exporten. An Ausfuhren wurden im Berichtszeitraum gut 9,1 Millionen Tonnen Ladung bewegt (plus 16,6 Prozent), an Einfuhren waren es rund 9,7 Millionen Tonnen (plus 16,9 Prozent).
Bremer legen besonders stark zu
Was Bremenports-Geschäftsführer Holger Banik im Besonderen freut, ist die Entwicklung beim Containerumschlag. Der wuchs im Berichtszeitraum sogar um knapp ein Viertel auf 1,4 Millionen Standardcontainer (TEU). Zum Vergleich: Hamburg kam in den ersten drei Monaten auf einen Boxenumschlag von 2,1 Millionen TEU (plus 18,2 Prozent). Doch nicht nur den Mitbewerber von der Elbe konnten die Bremer „hinter sich lassen", so Banik. Auch gegenüber den wichtigen Westhäfen Rotterdam und Antwerpen konnten sich die Umschlagbetriebe an der Weser, was den prozentualen Zuwachs betrifft, besser schlagen. Als besonders starker Umschlagmonat erwies sich der März, als gut 501.000 TEU über die Terminals gingen.
Ein weiteres Kerngeschäft stellt für das Zwei-Häfen-Bundesland der Autoumschlag dar. Mit rund 489.000 Fahrzeugen wurden zwischen Januar und März gut 51 Prozent mehr Autos verladen beziehungsweise gelöscht. Vor allem der Erfolg von Fahrzeugen „Made in Germany" auf dem Weltmarkt arbeitet den Bremern zu. Das Plus beim Fahrzeugumschlag wird im Wesentlichen getragen durch die Ausfuhren, während die Importe bereits seit mehreren Monaten unter Druck stehen.
Offshore-Windkraft soll für frischen Wind sorgen
Künftig sollen die Bremischen Häfen auch im Offshore-Geschäft eine wichtige Rolle spielen. So plant das Land den Bau eines neuen Offshore-Terminals in Bremerhaven, der im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft bis 2014 realisiert werden soll. Aktuell geht es darum, im Rahmen eines internationalen Verfahrens die geeigneten Bewerber für das Projekt zu gewinnen. Der Terminal soll dabei – trotz privater Finanzierung – als „öffentlicher Terminal" genutzt werden. Das Land Bremen will ausdrücklich keinen „dedicated terminal" nur für ein Unternehmen.
Die BLG Logistics Group, die das Offshore-Geschäft als neues Betätigungsfeld erschließen will, gab jetzt das grüne Licht für eine bedeutende Offshore- Investitionsentscheidung. 20 Millionen Euro sollen in den Aufbau neuer Dienstleistungen investiert werden. Kernbestandteile sind der Kauf von leistungsstarken Mobilkranen sowie die Herrichtung einer bislang im Bereich des Autoterminals Bremerhaven genutzten Fläche für Offshore-Aufgaben. Damit soll sichergestellt werden, dass künftig Teile für den neuen Nordsee-Offshore-Windpark „Global Tech One" über Bremerhaven auf die Spezialschiffe verladen werden können. Die Komponenten selbst werden im Windkraft-Cluster von Bremerhaven gefertigt. Er konzentriert sich auf den Bereich des ehemaligen Fischereihafens. (eha)
Sonntagsjournal
22.05.2011
Hafenumschlag ist überdurchschnittlich gewachsen Seegüter-Plus von 16,7 Prozent im ersten Quartal – Ein- und Ausfuhr von Autos legt um 51 Prozent zu
BREMERHAVEN (stp). Die bremischen Häfen verzeichnen im ersten Quartal des Jahres ein überdurchschnittliches
Wachstum. Der Gesamtumschlag in Bremerhaven und Bremen stieg laut Häfenressort um 16,7 Prozent auf 18,9 Millionen Tonnen Seegüter. Zum Vergleich: Im ersten Quartal des Vorjahres wurden nur 16,2 Millionen Tonnen umgeschlagen.
„Damit knüpfen wir dort an, wo wir 2008 waren“, sagte der Bremer Wirtschafts und Häfensenator Martin
Günthner (SPD). Besonders gut entwickelte sich der Containerumschlag als Kerngeschäft der bremischen Häfen.
Hier wurde mit mehr als 1,4 Millionen verladenen Standard-Containern (TEU) eine überdurchschnittlich hohe Steigerung von 24,9 Prozent erzielt. Im Vergleichszeitraum 2010 waren es rund 1,1 Millionen TEU. Einen beachtlichen Zuwachs gab es auch in der jüngsten Entwicklung beim Autoumschlag. Im Zeitraum von Januar bis März 2011 stieg die Zahl der verladenenFahrzeuge auf fast 486 000 an. Das entspricht im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einer Steigerung von rund 51 Prozent. Mit knapp 171000 Fahrzeugen erzielte der Autoumschlag im Monat März ein besonders gutes Ergebnis.
Zurück auf dem Wachstumspfad
Es sei nicht ausgeschlossen, dass die bremischen Häfen im Jahr 2011 wieder die ehemalige Bestmarke von zwei Millionen ein- und ausgeführten Fahrzeuge erreichen können, so das Häfenressort. Während sich der Umschlag von Massengut mit 2,2 Millionen Tonnen in den bremischen Häfen im Vergleich zum ersten Quartal 2010 praktisch nicht veränderte, stieg der Stückgutumschlag inklusive Containern um 19,7 Prozent auf 16,7 Millionen Tonnen. „Unsere Häfen sind endgültig auf den Wachstumspfad zurückgekehrt“, meint Günthner.
„Weil sie gut aufgestellt sind, profitieren sie besonders stark von den konjunkturellen Impulsen aus der Weltwirtschaft.“
Mit einem Containerumschlag von rund 500000 TEU im März 2011 habe der Hafen den Spitzenwert von 443000 TEU im
März 2010 deutlich hinter sich gelassen. Am Standort Bremerhaven wurden im ersten Quartal dieses Jahres insgesamt 15,7
Millionen Tonnen Seegüter umgeschlagen – 19,9, Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Bremen-
Stadt brachte es mit 3,2 Millionen Tonnen auf ein Plus von 3,2 Prozent.
und dann sowas.......
Mehr Geld für Hafenarbeiter
HAMBURG.
Die rund 15 000 Beschäftigten in den deutschen Seehäfen bekommen
ab nächsten Monat 3,9 Prozent mehr Geld. Darauf haben sich die Gewerkschaft
Verdi und der Zentralverband der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS) geeinigt.
Für die Beschäftigten in Vollcontainerbetrieben wurde darüber hinaus eine jährlich
wiederkehrende Zahlung in Höhe von 300 Euro vereinbart.
Austritte bei Verdi Langjährige Mitglieder gehen im Zorn
BREMERHAVEN (awi).
Der harte Kurs gegen die Zeitarbeitsfirma „Personal Aktiv“ kostet die Gewerkschaft Verdi viele, vor allem langjährige Mitglieder: Wie das SJ erfuhr, erklärten zahlreiche prominente Gewerkschaftsmitglieder ihren Austritt: Die ehemalige SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Gerlinde Berk beispielsweise, die Anfang Mai die Verdienstmedaille der Stadt Bremerhaven erhalten hatte: Sie hat Verdi nach 56 Jahren Mitgliedschaft aus Verärgerung den Rücken gekehrt. Auch Feuerwehrdezernent Jörn Hoffmann (SPD), Stadträtin Anita Matthiessen, Magistratsdirektor Ulrich Freitag, AFZ-Prokuristin Gisela Rütemann und Faden-Geschäftsführerin Sabine Markmann haben die Mitgliedschaft gekündigt.
Im Hafen hat Verdi nach SJ-Informationen zum Ende vergangenen Jahres mehr als 150 Mitglieder verloren –
überwiegend aus Verärgerung über Tarifverträge und Sozialpläne.
Dass das Thema Zeitarbeit auch in der SPD unterschiedlich bewertet wird, zeigt eine Stellungnahme der
Jusos. Juso-Vorsitzender Kevin Lenkeit kritisiert Oberbürgermeister Melf Grantz und Sozialdezernent Klaus Rosche dafür, dass sie an dem Zeitarbeit-Event im Conference-Center teilgenommen hatten. Dadurch werde der „massive Einsatz“ von Zeitarbeitern, zum Beispiel in der Windenergie, „salonfähig gemacht“.
Sonntagsjournal
22.05.2011
DANKE VERDI - FÜR NIX!!!!
Aber wir wussten ja schon,das da nicht mehr bei rauskommt.
Wenn ein Dirk Reimers,Landesfachbereichsleiter Verkehr, auf einer Betriebsversammlung sagt,
Zitat:"Wir fordern 7%, aber bei 4% werden wir einschlagen!" Zitat Ende.
Die anwesende Geschäftsleitung wird sich schon im Vorfeld über eine so schnelle Einigung gefreut haben!
Wer noch weiterhin in Verdi bleibt, dem ist nicht mehr zu helfen.
Mittwoch, 18. Mai 2011
Kuschelt BLG mit Zeitarbeit?
Bremerhaven. Bislang hieß es, die stadteigene Zeitarbeitsfirma „Personal Aktiv“ habe nur ausnahmsweise der BLG mit Leiharbeitern Ende vergangenen Jahres im Hafen ausgeholfen. Aber das glaubt die Gewerkschaft Verdi nicht mehr. Sie geht davon aus, dass die BLG und „Personal Aktiv“ enger als bislang angenommen miteinander verbunden sind. Die BLG weist das jedoch zurück. Von Klaus Mündelein
Die BLG-Kajen werden von Mercedes-Limousinen für den Export überschwemmt. Zu Jahresbeginn wurden händeringend Fahrer gesucht. Deshalb kamen auch Zeitarbeitsfirmen wie „Personal Aktiv“ zum Einsatz. Die Gewerkschaft Verdi vermutet, dass mehr hinter der Verbindung steckt. Foto dh
Die Beteiligungsliste des „Ausbildungsverbundes Bremerhaven“ scheuchte die Gewerkschafter jetzt auf. Die gemeinnützige Gesellschaft bildet junge Leute in Metallberufen aus. Größter Anteilseigner ist die Bremer Lagerhaus-Gesellschaft (BLG). Zweitgrößter Anteilseigner ist laut Verdi das stadteigene Arbeitsförderungszentrum (AFZ), das von SPD-Chef Siegfried Breuer geleitet wird. Geschäftsführer des „Ausbildungsverbundes“ ist Gerrit Michaelis, gleichzeitig Chef der AFZ-eigenen Zeitarbeitsfirma „Personal Aktiv“.
Nach Ansicht von Verdi-Vorstandsmitglied Sascha Schomacker muss die BLG ihren Segen zur Berufung von Michaelis gegeben haben. Und kurz danach, so Schomacker, kam „Personal Aktiv“ im Hafen zum Einsatz. Das Bekenntnis der BLG zum Gesamthafenbetriebsverein bekommt in den Augen von Schomacker Risse, wenn man „einen Vertreter der Zeitarbeitslobby“ zum Geschäftsführer macht.
BLG-Arbeitsdirektor Hartmut Mekelburg widerspricht dieser Darstellung. Er habe gar nicht mitbekommen, dass Michaelis im Oktober vergangenen Jahres zum Geschäftsführer des Ausbildungsverbundes ernannt worden ist. Die BLG sei hier nur passive Teilhaberin. „Wir wollten damals dem Ausbildungsverbund helfen und sprangen ein, als die SSW-Werft ausgefallen war“, sagt Mekelburg. Mit „Personal Aktiv“ gebe es deshalb keine besonderen Verbindungen. Als man zum Jahreswechsel dringend Fahrer im Hafen benötigte, habe man alle Zeitarbeitsfirmen angesprochen.
Verdi betrachtete damals den Einsatz von Zeitarbeitsfirmen im Hafen als Angriff auf den Gesamthafenbetriebsverein (GHB), der für die Personalreserve im Hafen zuständig ist und nach Hafentarif bezahlt. Das ist das Prinzip „gleiches Geld für gleiche Arbeit“, das Verdi grundsätzlich in der Zeitarbeit verlangt. Weil das derzeit nicht der Fall ist, kritisiert Verdi die Stadt, die über das AFZ die Zeitarbeitsfirma „Personal Aktiv“ betreibt.
Dass in der Firma SPD-Chef Siegfried Breuer das Sagen ist, gibt den Spannungen weitere Brisanz. Inzwischen hat sich die Geschichte zu einem handfesten Streit zwischen SPD und der Gewerkschaft ausgewachsen, in dem sich gegenseitig Unredlichkeit vorgeworfen wird.
Inzwischen rumort es auch in Breuers Gesellschaften. Im AFZ wird jetzt ein Betriebsrat gewählt. Laut Verdi haben sich genügend Bewerber gefunden, so dass am 10. Juni der Betriebsrat gewählt werden kann. Weil die Mittel für die Arbeitsmarktpolitik geringer werden, fürchten Mitarbeiter um ihre Jobs. Und sie hinterfragen, ob das Geld richtig ausgegeben wird. Musste das AFZ wirklich bei der Sail ein Schiff für einen Empfang anheuern (3950 Euro) und dort 2074 Euro für Getränke und 3936 Euro für Häppchen ausgegeben?